Die Welt der Patienten

Wir alle sind irgendwann einmal Patient. Meistens ist das keine angenehme Erfahrung, die mit Ängsten, vielleicht auch Schmerzen und anderen Beeinträchtigungen einhergeht. Viele Patienten trauen sich in einer solchen Situation nicht zu, im Behandlungsgeschehen mitzureden. Schließlich haben Sie nicht Medizin studiert und der Arzt weiß am besten, was gut für sie ist. Ganz langsam aber stetig, verändert sich diese Haltung zu Gunsten eines neuen Leitbilds vom "mündigen Patienten". Der ist gut informiert, selbstsicher und trifft qualitätsbewusste Entscheidungen. Der mündige Patient kennt seine Rechte, holt sich Zweitmeinungen ein und ist am Ende maßgeblich an der Organisation der eigenen Behandlung beteiligt.

Patientenversorgung im Massachusetts General Hospital im Jahr 1846 (© Everett Historical - shutterstock.com)
Patientenversorgung im Massachusetts General Hospital im Jahr 1846 (© Everett Historical - shutterstock.com)

Mittlerweile wird in der Fachwelt nicht mehr in Frage gestellt, dass Patienten, die eigenverantwortlich an ihrer Behandlung mitwirken, nicht nur einen Beitrag zur Kostensenkung leisten, sondern faktisch bessere Behandlungsergebnisse erzielen. Die Wahrnehmung dieser neuen Patientenautonomie ist jedoch nicht nur mit mehr Freiheitsgraden und Einflussmöglichkeiten verbunden. Sie stellt an die Betroffenen und deren Selbstmanagement auch hohe Anforderungen. In diesem Zusammenhang ist in der Fachliteratur auch die Rede vom "arbeitenden Patienten".

 

Patienten müssen den Mut aufbringen, sich mit ihrem Arzt auf Augenhöhe auseinanderzusetzen, Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen und sich an Behandlungsentscheidungen aktiv beteiligen. Sie müssen sich aber auch in einer wachsenden Vielfalt unterschiedlicher Behandlungseinrichtungen orientieren, sich für unterschiedliche Versicherungsmodelle entscheiden, finanzielle Risiken abschätzen, Anträge stellen, Formulare ausfüllen, Bescheide deuten, Fristen beachten und vieles mehr. Vor allem aber müssen sie gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, verarbeiten und umsetzen können.

 

Wie aktuelle Studien zur Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung zeigen, hat mehr als die Hälfte der Deutschen Schwierigkeiten, mit Gesundheitsinformationen umzugehen und diese für sich zu nutzen. Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen, Multimorbidität und komplexen Behandlungsverläufen fühlen sich mit den Anforderungen des Versorgungsalltags überfordert. Das Gesundheitssystem mit all den unterschiedlichen Anbietern, Kostenträgern und Organisationen steht deshalb vor der großen Herausforderung, auch Menschen mit einem problematischen Informationsstand und eingeschänkten Lernvoraussetzungen eine gut informierte und selbstbestimmte Nutzung der gesundheitlichen Versorgung zu ermöglichen.

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Die Idee eines nutzerfreundlichen Gesundheitssystems ist nicht neu und folgt dem Gedanken der patientenorientierten Gesundheitsversorgung, die den Patienten in den Mittelpunkt des Versorgungsgeschehens rückt. „Der Patient im Mittelpunkt“ ist mittlerweile jedoch zu einer Floskel verkommen, die beinahe jede Marketingbroschüre im Gesundheitswesen ziert. Im Versorgungsalltag gerät diese vielversprechende Vision unter dem Einfluss ökonomischer Realitäten und der Rangelei um Partikularinteressen dann oft in Vergessenheit. Dabei steht ein zerbrechliches Gut auf dem Spiel: das Vertrauen der Patienten in die gesundheitliche Versorgung.

 

Um dieses Vertrauen zu stärken, bedarf es im Zusammenspiel zwischen Patienten und den Akteuren des Gesundheitssystems einer Kultur von Zusammenarbeit, Transparenz und Empathie. Dabei geht es keineswegs nur um zufriedenere Patienten und "weiche" Qualitätskriterien. Wirksame Kommunikation ist eine grundlegende Bedingung für die Patientensicherheit, denn Missverständnisse können an dieser Stelle schwerwiegende Folgen haben.

Health Literacy

Schultafel Gesundheitskompetenz
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Im Jahr 2016 stellte die Universität Bielefeld erstmals die Ergebnisse einer repräsentativen Studie vor, die sie im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz durchgeführt hatte. Gegenstand der repräsentativen Untersuchung war die Gesundheitskompetenz (Health Literacy) der deutschen Bevölkerung. Die Ergebnisse sind durchaus beunruhigend ...


Healthcare Usability

Illustration Healthcare Usability
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Der Begriff der Healthcare Usability ist eine begriffliche Kreation - ein Kompositum, das nicht nur zwei Begriffe, sondern auch zwei ganz unterschiedliche Perspektiven zusammenführt: Auf der einen Seite steht die gesundheitliche Versorgung (Healthcare) und auf der anderen die Gebrauchstauglichkeit von Produkten und Dienstleistungen (Usability) ...


Health Literacy Heroes

Mädchen in Superheldenpose (Health Literacy Hero)
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Als „Helden der Gesundheitskompetenz“ werden in den USA Individuen, Teams und Organisationen bezeichnet, die die Problematik einer gering ausgeprägten Gesundheitskompetenz erkennen und entsprechend

handeln. Auch Sie können mit Ihrer Organisation zum "Health Literacy Hero" werden, indem Sie sich mit Maßnahmen, Interventionen und Projekten für ein leicht verständliches und nutzerfreundliches Gesundheitswesen stark machen ...